Retriever Freunde Forum

Startseite Übersicht der Wohnorte * RFF-Shop * Spielhalle Retriever-Chat Fotogalerie Sponsoring Forenregeln Links
Zurück   Retriever Freunde Forum > Augen auf beim Welpenkauf > Schicksale von Nicht-FCI (VDH/ÖKV/SKG) gezogenen Hunden

Schicksale von Nicht-FCI (VDH/ÖKV/SKG) gezogenen Hunden Traurige Schicksale von Hunden unserer Mitglieder. Jedes erzählte Schicksal kann der Aufklärung dienen!


Antwort
 
LinkBack (7) Themen-Optionen
Alt 26.12.2007   #41
Pubertätsmonster
 
Benutzerbild von Linus
 
Registriert seit: 18.08.2006

Ort: Kiefersfelden
Beiträge: 593
Abgegebene Danke: 10
Erhielt 18 Danke für 12 Beiträge
Linus Geschichte
Linus, noch ein Vermehrerhund


Seine Geschichte habe ich schon einmal erzählt. Mir ist es aber wichtig, dass viele Menschen lesen, was passieren kann, wenn sie sich einen Dissihund holen!


Auch ich habe Linus aus einer Dissidenzzucht. Seid Kindesbeinen träumte ich davon, einen Golden zu haben. In der ehemaligen DDR war er es zum einen sehr schwierig, an solch einen Hund heranzukommen und zum anderen hatte meine Mutter immer was dagegen. Nachdem ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und eine befristete Stelle hatte, konnte ich mir meinen Kindheitstraum erfüllen.
Am 09.April 2003 holte ich Linus (2Jahre und 8 Monate) vom “Züchter” ab. Er wurde ein halbes Jahr zuvor von seinem Vorbesitzer, angeblich wegen Scheidung und Zeitmangel zurückgebracht.

Auf der Heimfahrt im Zug fällt mir auf, dass er sich ständig am Hoden leckt. Zwei Tage später will er nicht mehr Sitz machen und schüttelt ständig den Kopf. Ich rufe darauf hin, den Tierärztlichen Notdienst an, der mich nur auslacht und auf Montag vertröstet. Linus hat eine schwere Gehörgangsentzündung und total verstopfte Analdrüsen. Außerdem leidet er, seid ich ihn abholte unter massiven und teilweise blutigem Durchfall. Der gibt sich wieder, sagt der TA nur seine Ohren müssen mit Cortison behandelt werden. So schnell wie Linus die Spritze intus hat, kann ich gar nicht reagieren. Mir kommt es schon komisch vor, nur wegen einer Ohrenentzündung gleich Cortison einzusetzen. Er muss einen Kragen tragen, aber die Entzündungen am Hoden und im Ohr verheilen ziemlich schnell. Der Durchfall bleibt!
Ich bin mit Linus viel Unterwegs, zu viel! Im Nachhinein ist mir natürlich klar, dass er keinerlei Muskulatur durch die Zwingerhaltung hatte. Er fängt an zu Lahmen. Zum nächsten TA, Röntgen. Linus hat eine Arthrose im linken Ellenbogengelenk. Er bekommt Schmerzmittel und Entwurmungstabletten, gegen den Durchfall und weil er so schrecklich dünn ist!?
Wir sind bei meinen Eltern auf Urlaub. Er kratzt sich so sehr, dass ich nachts davon aufwache. Wir gehen wieder zum TA, er gibt uns Frontline, vielleicht hat er ja Ungeziefer. Mit dem Flohkamm ist aber nichts zu sehen. Er kratzt sich trotz Frontline weiter. Außerdem muss ich nachts mind. zweimal mit ihm raus, weil er wieder Durchfall hat.

Das Kratzen die Arthrose und der Durchfall, sowie das ausdrücken der Analdrüsen werden unsere ständigen Begleiter, für die nächsten zwei Jahre sein. Mittlerweile hat er kaum noch Fell zwischen den Innenschenkeln und am Bauch. Er bekommt zuerst RINTI dann ARAS und danach Royal Canin sensibel. Mit Royal Canin hat er wieder festen Stuhl, aber trotzdem weiterhin ca. zweimal im Monat Durchfall. Sein Stuhl wird auf Parasiten untersucht, nichts. Er erhält jedes Mal Antibiotika, wenn er Durchfall hat. Damit wird es innerhalb von einem Tag besser. Außerdem muss er Diät halten, er bekommt nur sein Trofu. Sobald etwas Neues dazukommt ist der Durchfall wieder da.

Linus hat plötzlich starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Der TA vermutet Borreliose. Schon wieder ein Antibiotikum. Es wird nicht besser. Die nächste Diagnose lautet schwere HD, ohne zu Röntgen! Für mich bricht eine Welt zusammen und ich kollabiere in der Tierarztpraxis. Zwei Wochen später haben wir einen Termin zum Röntgen der Hüfte. Sie ist in Ordnung. Aber er hat eine kleine Stelle im Lendenwirbelbereich die Schmerzen verursachen kann aber nicht muss. Er darf nicht mehr springen. Macht er sowieso nicht gerne, also auch kein Problem.
Der Sommer 2003 ist ein ungewöhnlich heißer Sommer. Im Schatten Temperaturen über 33°. Wir sind im Park, plötzlich fängt Linus an zu torkeln. Mein erster Gedanke, er hat Gift gefressen. Er kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, kollabiert und hat einen Hitzschlag. Sofort lehre ich den Rest der Wasserflasche auf ihm aus und rufe um Hilfe, die Glücklicherweise auch sofort kommt. Ab sofort darf Linus nur noch mit einem nassen T - shirt bekleidet raus.
Jedes mal, wenn wir beim TA sind, um seine schmerzende Arthrose zu behandeln, bekommt er 14 Tage später eine Bindehautentzündung. Es ist eine Nebenwirkung des Schmerzmedikamentes, welches er ins Gelenk gespritzt bekommt.
Ich gehe ein weiteres Mal zum TA, weil seine Bindehaut entzündet ist. Dieses Mal sind es aber kleine Follikel hinter der Bindehaut, die mit einem scharfen Löffel ausgekratzt werden. Linus lässt alles geduldig mit sich machen, obwohl er nur lokal am Auge betäubt wird.
Ich bin bei meiner Tante zu Besuch. Er darf nicht in den Garten ( die Anwohner haben was dagegen ) deshalb wartet er brav in der Wohnung, meiner Tante. Ich schaue immer wieder nach ihm. Er freut sich, hustet aber immer ein wenig und wirkt verschleimt. Ich weiß, dass zu der Zeit die Bronchitis bei den Hunden umgeht. Linus geht es von mal zu mal etwas schlechter. Wir machen uns auf den Heimweg. Er schleicht hinter mir her, sieht krank aus. Ich überlege noch, ob ich zum TA gehe, denke aber dass es morgen früh auch noch reicht. Zu Hause angekommen messe ich gleich Fieber. Er hat erhöhte Temperatur, aber einen sehr guten Appetit. Nach ein paar Minuten hat er sein Futter wieder erbrochen. Ich rufe bei meiner TÄ an, Linus soll 200mg ASS bekommen und Wadenwickel. Es reicht, wenn wir morgen vorbei kommen.
Es reicht nicht! Der Zustand verschlechtert sich so rapide, dass wir mitten in der Nacht in die Tierklinik Marzahn fahren, per Taxi. Er kann kaum noch atmen und hat über 41° Fieber. Die Diagnose lautet Virale Lungenentzündung mit Wasser in der Lunge. Er bekommt Lasix zur Entwässerung der Lunge und wieder ein Antibiotikum, damit er sich keine zusätzlichen Infektionen einfängt. Er soll zur Überwachung in der Klinik bleiben. Da ich nicht bei ihm bleiben darf, nehme ich ihn wieder mit nach Hause. Voll gepackt mit Infusionen und Medikamenten. Ich darf ihn nur mitnehmen, weil ich Krankenschwester bin. Mit den Nerven total am Ende fahren wir per Taxi wieder heim. Die Lungenentzündung dauert über vier Wochen. Solange darf er keinen Kontakt zu anderen Hunden haben und muss die ganze Zeit das Antibiotikum einnehmen. In den Nächten stehe ich mehrmals auf um Linus abzuklopfen, damit er den Schleim besser abhusten kann.
Durch die schwere Erkrankung, sind seine Krallen brüchig und brechen teilweise ab. Er blutet immer wieder und muss längere Zeit Verbände um die Pfoten tragen.
Winter 2005 lahmt er so stark, das er teilweise nur noch auf drei Beinen läuft. Ich stecke gerade im Umzugsstress, wir ziehen von Berlin nach Österreich. Kümmere mich um einen Termin bei einer TÄ in Klagenfurt (Österreich), sie soll bei ihm die Goldimplantate einsetzen. Von Mittwoch bis Freitag findet der Umzug statt und am Montag fahren wir nach Klagenfurt. Am nächsten Tag ist die Lahmheit fast verschwunden. Als nächstes suchen wir einen TA in unserer Nähe auf, um seinen chronischen Durchfall zu behandeln. Wir bekommen neues Futter. Linus soll zu jeder Mahlzeit Joghurt untergemischt bekommen, damit sich die Darmschleimhaut wieder aufbauen kann.
Seid fast 14 Monaten leben wir nun auf dem Lande und Linus geht es vergleichsweise sehr gut. Sicherlich merkt man, dass er eine Arthrose hat, wenn wir zu lange unterwegs sind, aber der Durchfall und das ständige Kratzen haben sich gelegt. Er hat mittlerweile ein wunderschönes, glänzendes, volles und weiches Fell bekommen.
Trotzdem muss er weiterhin Diät halten. Vor kurzem haben wir mit dem Teilbarfen angefangen, welches er sehr gut verträgt. Neue Lebensmittel oder Leckerlis müssen erst unter genauer Beobachtung ausgetestet werden. Wahrscheinlich wird die Arthrose sein Alter bestimmen. Das Immunsystem hat sich stabilisiert, aber er wird immer anfällig für Infektionskrankheiten bleiben.
Eine Zeitlang habe ich die Kosten aufgeschrieben, die beim TA angefallen sind. Irgendwann habe ich damit aufgehört. Mir geht es nicht um das Geld. Für Linus würde ich mein letztes Hemd geben. Ich liebe meinen dicken Bären, bin froh ihn zu haben und würde ihn nie wieder hergeben. Trotzdem steht für mich fest, dass der nächste Golden vom DRC, GRC oder ÖRC kommt!


Der derzeitig Stand sieht so aus: Arthrose auf beiden Ellenbogengelenken. GI wirkt nicht mehr, auch das letzte Schmerzmedikament lässt in seiner Wirkungsweise nach. Linus geht es nicht gut, trotz seiner Schmerzen, hat er nichts von seiner Lebensfreude verloren.
Auch das Cauda equina Syndrom macht sich bemerkbar, trotz Schmerzmittel.
Für mich ist dieses Weihnachten nur schwer auszuhalten, da ich weiß, dass ich mich in kürze von ihm verabschieden muss! Ich versuche die Zeit, die wir noch zusammen haben, zu genießen, trotzdem überkommt mich immerwieder eine Traurigkeit und Tränen, vor dem bevorstehenden Abschied.
__________________

und Linus im Herzen
Linus ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 30.12.2007   #42
Dumm´ Nuss!!
 
Registriert seit: 06.03.2007

Ort: Marl
Beiträge: 387
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Um Gottes Willen, dieses Syndrom, was ist das? Der arme Linus hat aber echt eine ganze Reihe von Leiden gehabt. Er kann froh sein, dass man sich so liebevoll um ihn kümmert. Auch ich würde mein letztes Hemd für Laila geben, ist doch Ehrensache!

Zitat:
Zitat von Linus Beitrag anzeigen
Linus Geschichte
Linus, noch ein Vermehrerhund


Seine Geschichte habe ich schon einmal erzählt. Mir ist es aber wichtig, dass viele Menschen lesen, was passieren kann, wenn sie sich einen Dissihund holen!


Auch ich habe Linus aus einer Dissidenzzucht. Seid Kindesbeinen träumte ich davon, einen Golden zu haben. In der ehemaligen DDR war er es zum.................................

__________________
2007 by Senfhund-Duo
Gruß Simone & Laila

Geändert von H&C&C (30.12.2007 um 17:23 Uhr). Grund: Zitat verkürzt
Simone-Goldie ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 01.01.2008   #43
Dummychampion
 
Benutzerbild von Kristina
 
Registriert seit: 18.08.2006

Ort: Wandlitz
Beiträge: 1.043
Abgegebene Danke: 48
Erhielt 15 Danke für 15 Beiträge
Liebe Julia,

deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich wünsche dir noch viele schöne Stunden mit deinem Linus. Alles Gute für euch.
__________________
Kristina mit Kimba L/Hg geb. 12.07.03
Jacksontoko vom Warsingfehn L/Rs geb. 26.09.06
Kristina ist gerade online  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 01.01.2008   #44
Dummychampion
 
Benutzerbild von Tiedi
 
Registriert seit: 04.12.2006

Ort: Rehfelde
Beiträge: 357
Abgegebene Danke: 3
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Liebe Julia
Ich kenne Linus Geschichte ja schon,aber es hat mich trotzdem wieder berührt.
Vielleicht erinnerst du dich das Fine aus der selben Zucht stammt.Ich äußere mich nur öffentlich zu garnichts mehr,da ich und andere User in einem anderen Forum sehr angegriffen wurden.
Ich muss leider nur sagen,das ich nach Fine erst mal keinen Hund mehr möchte.
Ich denke das sagt mehr als tausend Worte.

Ich liebe diesen Hund und möchte sie nicht missen,
Leute die sie erlebt haben wissen was ich meine und sie ist kein Einzelfall.
__________________
Tiedi ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 02.01.2008   #45
ReeperbahnStreberTeam
 
Benutzerbild von taschbert
 
Registriert seit: 08.08.2007

Ort: Hamburg
Beiträge: 1.320
Abgegebene Danke: 59
Erhielt 36 Danke für 30 Beiträge
Liebe Julia

die Wege die Du schon mit Linus gegangen bist sind ein Zeichen von solcher Liebe wie man sie nur selten sieht.

Und noch immer kämpft ihr zusammen.
Ich hoffe er hat noch genügend schöne Momente mit Dir

ich sollte diese Geschichten nicht lesen. Sie sind echt und schlimmer als Gedichte.
Nun hab ich wieder einen Kloss im Hals.
__________________
greetz
taschbert ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 05.01.2008   #46
Dummytrainer
 
Benutzerbild von Silmaril
 
Registriert seit: 28.10.2007

Ort: Linz
Beiträge: 140
Abgegebene Danke: 2
Erhielt 3 Danke für 3 Beiträge
Liebe Julia,

fühl dich gedrückt von mir, ich kann gerade sehr gut verstehen, was du durch machst. Meine Dina ging am selben Tag wie dein Linus über die Regenbogenbrücke :-(.

Ich habe hier jetzt eine Weile still mitgelesen, wollte nicht von Dina schreiben, weil ihr keine Geschichte gerecht werden würde. Ich mache es aber trotzdem, wenn es nur irgendjemand vorm Welpenkauf zum nachdenken anregt, kann unnötiges Leid verhindert werden...

Ich wollte schon immer einen Hund haben, leider hatte ich nie die Möglichkeit, meine Eltern wollten keinen, danach kam Ausbildung und Studium. Vor gut 4 Jahren hat mich dann mein damaliger Freund überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt wäre. Wir entschlossen uns, einen Labrador-Welpen aufzunehmen. Relativ schnell war klar, dass auch einer ohne Papiere "reichen" würde. Wir wollten ja nicht auf Ausstellungen gehen und Labrador wäre schließlich Labrador (ich war so blöd). Ich muss gestehen, ich habe mir damals sehr wenige Gedanken gemacht, was Zucht bedeutet. Wahrscheinlich habe ich mich auch zu sehr auf meinen Freund verlassen, in dessen Familie bereits 3 Labbis und ein Tierarzt wohnten. Das kann natürlich heute keine Entschuldigung sein...

Wir fuhren zu einem Bauern, der in einer Zeitung Welpen inseriert hatte. Die Zustände dort waren erschreckend. Die Hunde waren in einem Schweinestall untergebracht, durften einmal am Tag im Hof in ihrer eigenen Sch**** herumtollen. Die Eltern waren nebenan untergebracht und verhielten sich uns gegenüber ängstlich aggressiv. Der Bauer erzählte uns von hervorragender Abstammung der Eltern, von Champions im Stammbaum und dass wir für die Kleinen jederzeit Papiere haben könnten, aber mit Papiere müsste er mehr verlangen und bekäme die Welpen so nicht an den Mann. Uns war das zu dem Zeitpunkt egal, wir hatten uns bereits in die Kleinste der noch verbliebenen drei Welpen verliebt. Der Bauer meinte noch, wir sollten doch eine der anderen beiden nehmen, die würden mehr hermachen. Das bestärkte uns nur noch, die Welpen waren bereits vier Monate alt, wir wollten nicht, dass die Kleine anderweitig "beseitigt" werden würde.

An diesem Tag begann eine wunderschöne Beziehung... Dina hatte glaube ich ein sehr schönes Leben. Sie wurde fixer Bestandteil unserer Familie und war rund um die Uhr bei mir. Bekam nur das allerbeste Essen, durfte in der Hundeschule viel lernen, ich wühlte mich durch Berge von Büchern, besuchte viele Kurse und Seminare, um ihr das bestmögliche Leben und uns eine bestmögliche Beziehung zueinander zu bieten. Dina war ein sehr fröhlicher und freundlicher Hund, viele Menschen in meinem Bekanntenkreis haben durch sie ihre Angst vor Hunden überwunden.
Gleichzeitig war sie aber auch sehr ängstlich, hatte Angst vor allem und jedem, der nicht dem mitteleuropäischen Standard entsprach. Mit Kindern ging es gar nicht, hier war sie so verunsichert, dass wir einfach nur mehr einen großen Bogen um alles unter 1,20 machten. Ich habe mich oft gefragt, woher diese Unsicherheit kam, habe ich mich doch Zeit ihres Lebens um eine möglichst gute Sozialisierung bemüht, auch ist ihr meines Wissens nach solange sie bei mir war nie etwas Negatives widerfahren. Ich denke einfach, dass sie in den wichtigen ersten vier Monaten gar nichts gesehen hat und nie aus dem verdreckten Innenhof rausdurfte. Dina hatte auch oft irgendwelche Wehwehchen, die zwar nicht schlimm waren, aber trotzdem immer Tierarzt und Antibiotika benötigten. Ich hab mich immer gefragt, wie das Hundehalter machen, die den Tierarzt nur zum impfen sehen...

Anfang 2007 begannen dann unsere Probleme, Dina fing mit 3,5 Jahren plötzlich zu humpeln an, es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Nach den ersten obligatorischen Antibiotika-Versuchen unserer Haustierärztin wurde uns in der Tierklinik eine schwere beidseitige Patella Luxation diagnostiziert. Bei Labrador angeblich sehr selten. Für mich war es selbstverständlich, dass ich Dina operieren lassen würde. Die OP verlief gut. Langsam bauten wir ihre Muskulatur und ihre Kondition wieder auf. Im Sommer mieteten wir ein Häuschen am See, damit sie viel schwimmen konnte, im Spätsommer war sie dann wieder so fit, dass sie mit auf den Berg ging.

Ende November fiel uns dann auf, dass Dina plötzlich sehr schwer atmete. Wieder Antibiotika durch unsere Haustierärztin, wieder brachte es nichts, ihr Zustand wurde schlimmer. In der Klinik wurde Dina dann geröngt, geschallt und ein CT angefertigt. Die Diagnose war niederschmetternd. Dina hatte 3 Liter Lymphflüssigkeit im Thorax und sowohl Leber als auch Milz waren vollkommen mit Zysten durchwachsen. Nun begann ihr letzter Leidensweg. Es wurde eine Gewebeprobe aus der Leber entnommen. Eine schreckliche Woche lebten wir mit der vorläufigen Diagnose Krebs, zwischenzeitlich musste sie alle 2 bis 3 Tage abgesaugt werden, damit sie nicht erstickte. Dina ließ alles geduldig über sich ergehen. Als dann das histologische Ergebnis aus dem Labor kam, fiel mir in einer trügerischen Sicherheit ein Stein vom Herzen: kein Tumor, sondern wahrscheinlich ein angeborener und somit nicht akuter Geburtsfehler der Leber. Der Austritt der Lymphflüssigkeit sollte mit einer zwar schweren, aber machbaren OP mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbunden werden können. Dina überstand die OP, doch diese blieb ohne Wirkung, ihr Zustand wurde von Tag zu Tag schlechter, die Flüssigkeit in ihrem Brustraum immer mehr statt weniger. Dina wurde immer schwächer, mit der mittlerweile zweimal am Tag abgesaugten Lymphflüssigkeit verlor sie auch sämtliche Nährstoffe und Lebenskraft. Zu Weihnachten hörte sie dann von sich aus zu fressen auf, ich besuchte sie jeden Tag in der Klinik, damit sie wenigstens von mir etwas frisst. Zu Silvester holten wir sie dann ein letztes mal heim, damit sie die Nacht in Ruhe verbringen konnte (Dina litt unter wahnsinniger Schussangst). Sie konnte kaum noch gehen und musste getragen werden. Die Ärzte versuchten - auch aufgrund ihrer jungen Jahre - wirklich alles, zum Schluss versuchten sie noch, durch eine künstliche Entzündung, ihre Lunge mit dem Brustfell zu verkleben, damit die Lymphflüssigkeit keinen Platz mehr hat und dort bleibt wo sie hingehört. Auch das blieb ohne Wirkung.
Am 2. Jänner ließen wir sie gehen.

Ich glaube, ich muss keinem - der jemals seinen treuesten Freund verloren hat - erklären, wie es mir nun geht. Ich frage mich, wieso musste der liebste Hund der Welt mit nur 4 Jahren sterben? Nachdem wir nicht wissen, was genau das Problem für den großen Flüssigkeitsverlust war, können wir auch nicht sagen, dass es ein vererbtes Problem war, welches man mit seriöser Zucht hätte verhindern können. Der Verdacht liegt aber trotzdem sehr nahe...

Ich habe mein Herz wohl für immer an Hunde verloren, irgendwann wird sicher wieder ein Welpe bei mir einziehen. Diesmal wird er aber von einem seriösen Züchter kommen. Hunde wie Dina, haben ein längeres Leben verdient...

Traurige Grüße,
Martina
Silmaril ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 05.01.2008   #47
Pubertätsmonster
 
Benutzerbild von Linus
 
Registriert seit: 18.08.2006

Ort: Kiefersfelden
Beiträge: 593
Abgegebene Danke: 10
Erhielt 18 Danke für 12 Beiträge
Liebe Martina,

danke, dass Du Dina´s Geschichte niedergeschrieben hast. Ich lese ganz deutlich heraus, wie sehr Du um sie gekämpft, die Hoffnung nie aufgegeben hast. Um so schwerer ist es plötzlich zu sagen, wir haben den Kampf verloren und müssen das Liebste was wir haben gehen lassen. Meine Tränen sind versiegt, die letzten drei Tage habe ich so intensiv um meinen Linus getrauert, dass ich heute sagen kann, ich spüre langsam die Erleichterung darüber, dass es meinem Hund jetzt besser geht, er keine Schmerzen hat und er hinter der Regenbogenbrücke auf mich wartet. Der Schmerz ist immer noch da, wird vor allem dann spürbar, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, kein Linus schwanzwedelnd hinter der Tür auf mich wartet, Ich in die Küche gehe mir ein Stück Käse hole, ohne dass ein sabberndes Tier neben mir sitzt, kein ist Hund da, der mich morgends liebevoll weckt, weil es doch jetzt langsam Zeit ist aufzustehen. Mir fehlen die Spaziergänge, das Dummytraining, der Hoffnungsvolle, begeisterte Blick meines Hundes, wenn ich einen Ball oder einen Dummy in der Hand halte, das zurückblicken, der Kontrollblick ob Frauchen noch da ist, das eng aneinanderliegen und kuscheln. Und so wie ich dass jetzt niederschreibe kullern mir die Tränen wieder über mein Gesicht. Unsere Hunde fehlen in jeder Lebenssituation. Es fällt schwer, nun alles ohne Hund zu tun, weil man doch immer in der Erwartung ist, jetzt müsster er eigentlich an meiner Seite sein und dann die Entäuschung, die unbarmherzige Realität. Nein er ist nicht mehr da!
Liebe Martina, ich wünsche Dir viel Kraft für die nächsten Wochen. Lass Dir Zeit beim trauern, aber vergiss dabei nicht, auch nach vorne zu schauen. Unsere Hunde haben es nicht gewollt, dass wir nur mehr trübsal blasen. Unseren Hunden geht es jetzt gut, da wo sie sind, und dass ist das einzige, was wirklich zählt.

Meine Hoffnung ist, dass diese Berichte so viele Menschen wie möglich lesen, damit sie nicht den selben Fehler machen, wie wir es getan haben. Es liegt jetzt an uns, den Menschen zu erzählen wie es ist, einen Dissihund zu haben, nächtelang wach zu liegen, Angst haben zu müssen und den Hund leiden sehen.
__________________

und Linus im Herzen
Linus ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2008   #48
Leon & Sina
 
Benutzerbild von danni
 
Registriert seit: 20.07.2007

Ort: Linkenheim-Hochstetten
Beiträge: 514
Abgegebene Danke: 84
Erhielt 2 Danke für 2 Beiträge
Hallo Julia und Martina!
Ich habe eure Geschichten gelesen und es geht mir alles sehr nahe.
Vor allem weil ich hier auch so einen Kandidaten neben mir liegen habe...
Leon ist leider auch von einem "Vermehrer"... und er war noch nie richtig fit und gesund. Immer hat er irgendwas und dass obwohl er erst 18 Monate ist.
In zwei Wochen bekommt er beide Ellenbogen operiert. Jetzt ist mir die letzten Tage noch aufgefallen, dass er hinten rechts auch schont...
Ich habe so Angst vor dem was noch kommt....

In Gedanken bin ich bei euch...
__________________
Liebe Grüße Danni, Leon & Sina
danni ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2008   #49
Welpe
 
Registriert seit: 27.12.2007

Ort: Idar Oberstein
Beiträge: 17
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Hallo Ihr lieben wir fühlen mit euch . Auch wir haben vor 5 Jahren diesen Fehler gemacht und haben auch einen solchen Fall zu Hause.Seit seinem Einzug bei uns ist er auch nur krank und kann sein Hundeleben nicht genießen. Mit 5 Monaten schon Arthrose und eine Gelenksverletzung festgestellt. Mit 8 Monaten diesselbe operieren lassen bei einer sehr guten Tierklinik. Dann natürlich monatelang geschont und nicht mit anderen Hunden spielen und toben lassen. Dann ginge es Ihm richtig gut hatte Spass am Leben dann verstarb mein Schwiegervater mit dem er den ganzen Tag im Garten genext hat, zudem ist dann noch unsere Tochter aus beruflichen Gründen ausgezogen. Dann fing es erst richtig an, Fellverlust,kratzen bis es wund war. usw. Da wir einen guten TA haben der auch mit Homöopathie arbeitet bekamen wir das dann in den Griff. Im Oktober letztes Jahr fing er an sich die Pfoten aufzuknabbern, was aber nicht mit Langeweile zutun hatte, er war meistens den ganzen Tag mit mir beruflich unterwegs, oder bei meiner Frau. Dann vor 3 Wochen fiel die Entscheidung ein zweiter Hund muss her. Wir fanden diesen bei einer VDH Züchterin die auch hier im Forum verweilt. Und siehe da die Symptome wie weg geblasen,dank
__________________
Grüße aus Idar Oberstein Knut und Birgit
sprinter ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2008   #50
Bunkerchefin

 
Benutzerbild von Avanti
 
Registriert seit: 11.02.2007

Ort: Ansbach
Beiträge: 6.894
Abgegebene Danke: 71
Erhielt 63 Danke für 56 Beiträge
Zitat:
Zitat von sprinter Beitrag anzeigen
Und siehe da die Symptome wie weg geblasen,dank
Das freut mich aber sehr zu hören
Der kleine Feger wird ihm schon die Langeweile nehmen
__________________

liebe Grüße Andrea
Avanti ist offline  
Add Post to del.icio.usBookmark Post in TechnoratiDiesen Beitrag bei Mr.Wong speichern!
Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Trackbacks are An
Pingbacks are An
Refbacks are An

LinkBacks (?)
LinkBack zu diesem Thema: http://www.retriever-forum.net/f184/hunde-hobby-vermehrerzucht-bitte-erzaehlt-erlebnisse-17436/
Erstellt von Für Typ Datum
Erst Durchfall und Erbrechen und nun frisst er nicht mehr! - Seite 4 - Dogs Forum Dieses Thema RefBack 07.06.2008 21:00
Erst Durchfall und Erbrechen und nun frisst er nicht mehr! - Seite 4 - Dogs Forum Dieses Thema RefBack 07.06.2008 20:59
vermehrer | sehr beliebt | mister-wong.de Dieses Thema RefBack 07.04.2008 20:48
welpen | Retriever | mister-wong.de | Social Bookmarking Tool Dieses Thema RefBack 21.03.2008 14:26
Familienhund Hovawart Rasseportrait Steckbrief Charakter Wesen Verhalten Hovawart Dieses Thema RefBack 24.02.2008 14:55
fci | sehr beliebt | mister-wong.de Dieses Thema RefBack 13.11.2007 00:30
Übersicht | mister-wong.de | Social Bookmarking Tool Dieses Thema RefBack 18.10.2007 11:35

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Wie oft badet ihr eure Hunde? Mela Fell und Haut 55 03.09.2008 15:48
Verteidigen Eure Hunde sich auch gegenseitig? Goldiebine Erziehungstipps 19 11.08.2008 18:29
Denkspiele für eure Hunde Haku Kopfarbeit 17 24.01.2008 13:48
Brauche bitte eure Hilfe, wer weiß Rat? salut Ernährungsfragen 22 11.09.2007 18:20


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 11:17 Uhr.


Powered by vBulletin Version 3.7.3 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2008, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Friendly URLs by vBSEO 3.2.0
Template-Modifikationen durch