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Alt 03.11.2007   #21
Loura&Summer
 
Benutzerbild von Sansibar
 
Registriert seit: 18.08.2006

Ort: Berlin
Beiträge: 5.588
Total interessant, Holger.

Danke für die Mühe.

Der ursprünglichen Neufundländer sieht wirklich toll aus!
__________________
Sansibar ist offline  
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Alt 03.11.2007   #22
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Beiträge: n/a
Um es also kurz zusammenzufassen, kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts Neufundländer zu den einheimischen Hundeschlägen der Chesepeake Bay, die zumindest zum Teil dem English Foxhound entstammten, aber wahrscheinlich kaum reinrassig waren. Weitere Rassen mögen beteiligt gewesen sein.
Zielgerichtet wurden Bloodhound und Irish Water Spaniel eingekreuzt, möglicherweise auch Coonhounds und Otterhound.

Ich denke, dass dies im größeren Teil des 19. Jahrhunderts noch nicht zu einer einheitlichen Rasse geführt haben kann. Vielmehr müssen verschiedene Typen mit verschieden Fellarten und Farben aufgetreten sein, die nahezu ausschließlich nach ihrer Leistungsfähigkeit bei der Jagd auf Wasservögel selektiert wurden. Es muss eine heterogene Gruppe allerdings mehr oder weniger in einigen Kriterien ähnlicher Hunde gegeben haben.

Der Bürgerkrieg (1861 bis 1865) machte den Bemühungen um eine einheitliche Rasse vorerst ein Ende. Er zerstörte viele Familien, auch jene, in deren Händen die Zucht der meisten Chessies in dieser Zeit lag. Dies führte fast zum Aussterben der Rasse, bevor sie überhaupt eine war. An dieser Stelle hört der Chessie auch auf, ein Hund des armen, gewöhnlichen Mannes zu sein. Nach dem Krieg gab es nämlich nur noch in einigen Jagdsportclubs der Reichen einzelne Exemplare aus reinen Linien, die allerdings bis auf Sailor und Canton zurück gegangen sein sollen.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann auch verschiedene gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen, die einerseits dazu führten, dass der Chesapeake Bay Dog über die Grenzen seiner Heimat bekannt und berühmt wurde und andererseits wurde die Jagd auf Wasservögel zunehmend zu einem Sport der eher Vermögenden, die dann auch Zucht intensiver betrieben und sich in einem Zuchtverein organisierten und schließlich einen Standard entwickelten.

LG, Holger
 
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Alt 04.11.2007   #23
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Beiträge: n/a
Zum Ende des 19. Jahrhunderts sehen die Chessies dann zunehmend vertraut aus:

Chesapeake Duck-Dog “Chess” 1885, Gemälde

Chesapeake Duck Dog 1882

und

Dr. Milbank’s Pride 1880’s
 
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Alt 04.11.2007   #24
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Beiträge: n/a
Dennoch gab es (wie teils heute noch) verschiedene Typen, insbesondere im Hinblick auf das Fell und es entstand ein Streit darüber, welches wohl das bessere sei. Es gab sozusagen Fell in allen Übergängen von glatt über wellig bis lockig und das ganze je kürzer und länger.
1877 in einem ersten Standard, in dem Punkte für das Richten festgelegt wurden, gab es eine Anerkennung für drei Felltypen:
"Otter Breed" - kurzes Fell in sedge
"Red Chester" - langes Fell
"Brown Winchester" - gelockt (curly!) und rot-braun

Hier noch ein Bild (Gemälde von Mr. J. M. Tracy) des ersten Show-Champions, 1892 namens Barnum:





LG, Holger


 
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Alt 04.11.2007   #25
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Beiträge: n/a
Der erste Zuchtverein, der sich um die Rasse kümmerte, war der Chesapeake Bay Dog Club of Baltimore.
1885 begann er, einen etwas einheitlicheren Standard als die Beschreibung von 1877 zu entwickeln. 1890 wurde der Standard angenommen und erlaubte nur noch eine Fell-Variante, nämlich die "Otter"-Variante mit Unterwolle.
Der Club bewarb sich um Anerkennung den AKC, wurde aber abgelehnt.
Erst 1918 gründete ein gewisser Earl Henry mit 13 weiteren Mitgliedern den
American Chesapeake Club, der 1919 nach einigen Veränderungen des Standards vom AKC anerkannt wurde.

Earl Henry kümmerte sich besonders um die Zucht der Farbe deadgrass, hier einer seiner Hunde:



Deadgrass Rüde, geworfen um 1902, Besitzer: Earl Henry


Hier finde ich so erstaunlich, wie sich über 100 Jahre das Exterieur wenig verändert hat. Mit diesem Rüden hätte man auch heute noch gute Karten!


LG, Holger



 
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Alt 04.11.2007   #26
Gast
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Beiträge: n/a
Die weitere Geschichte ist eine von verschiedenen einflussreichen Hunden, Personen und Kennels, die mir für die fortgeschrittene Stunde zu kompliziert ist.

Der Nährwert für den Leser hält sich ja auch in Grenzen.

Einiges möchte ich aber dochnoch kurz posten:

Ein Hoch hatte die Rasse in den 30iger Jahren, was Interesse, sportliche Erfolge, Mitgliederzahlen in den Clubs usw. betraf. Der 2. Weltkrieg führte dann zu einem großen Einbruch, der wohl bis jetzt nicht wieder kompensiert ist.

Weil es so schön ist, noch dieses Bild:



Lillian Cannon & Ch Chesacroft Drake. Die beiden sollen 1924 versucht haben, durch den Kanal zu schwimmen. Leider habe ich nicht gefunden, was daraus geworden ist.
Der Hund sieht wieder heutigen Chessies sehr ähnlich, lediglich mehr Hinterhandwinkelung würde man sich heute wünschen.

Und dann möchte ich noch erwähnen, dass ein Chessie der erste duale Champion unter den Retrievern war, nämlich 1936. Die Labbis zogen 1941 nach.



DC Ch Sodak’s Gypsy Prince

Er und sein Sohn hatten unter den "frühen" Chessies ziemlichen Impact auf die Zucht.

Da es auch heute noch, ich glaube drei lebende duale Champions gibt, ist die Geschichte der Chessies auch die einer dualen Retriever-Rasse.

Allen, die sich mit Chessies befassen, möchte ich dies noch an Herz legen!

Lernen kann man hieraus, dass manchmal eine Rasse gut ist, wie sie ist und nicht in die eine oder andere Richtung verbogen werden muss, um zweifelhafte Verbesserungen zu erreichen, die meist mit Einbußen bei anderen Eigenschaften einhergehen.

Und was man vielleicht auf den alten Bildern erahnen kann ist, wie ein wirklich leistungsfähiger Retriever funktionell gut aufgebaut sein kann.

Ich wünsche mir, in der Zukunft möglichst wenig Übertypisierung sehen zu müssen und schließe mit einem Zitat aus dem Standard:

"...The power though, should not be at the expense of agility and stamina. Size and substance should not be excessive as this is a working retriever of an active nature...
Courage, willingness to work, alertness, nose, intelligence, love of water, general quality and, most of all, disposition should be given primary consideration in the selection and breeding of the Chesapeake Bay Retriever..."

LG, Holger
 
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Alt 04.11.2007   #27
black and white
 
Benutzerbild von Bribbel
 
Registriert seit: 21.08.2006

Ort: Hamburg
Beiträge: 2.488
Tolle Infos und witzige bilder hast du da gefunden, Holger!!!! Super!!!
__________________

Bribbel ist offline  
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Alt 04.11.2007   #28
Dummychampion
 
Benutzerbild von thyrathelab
 
Registriert seit: 22.03.2007

Ort: Peine
Beiträge: 478
Hi Holger,

HUT AB!!! Habe es gerade zwar nur überflogen (...keine Zeit am frühen Morgen...), aber SEHR interessant!!!

Zitat:
Zitat von langeho Beitrag anzeigen

Da es auch heute noch, ich glaube drei lebende duale Champions gibt, ist die Geschichte der Chessies auch die einer dualen Retriever-Rasse.
Mir fallen da spontan sogar fünf ein, falls ich mich nicht irre:
Decks, Canvas, Blaze, Tiger und Yakity.

Liebe Grüße von

Katrin
__________________
thyrathelab ist offline  
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Alt 04.11.2007   #29
Furzkanonenmama
 
Benutzerbild von snuke
 
Registriert seit: 24.12.2006

Ort: Lohhof
Beiträge: 1.974
Holger, sehr cool!

Hast Du das ganze aus Büchern? Ich hab 2 amerikanische Chessiebücher, aber da steht sehr wenig über die Geschichte drin, mehr über die Haltung und Pflege. Ein Chessiegeschichtsbuch in dem auch die ersten Kennels und die Linien erklärt sind suche ich aber schon lange!

Kannst du da was empfehlen?
__________________
snuke ist offline  
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Alt 04.11.2007   #30
die mit der Chaos-Hippe
 
Benutzerbild von Düsselgold
 
Registriert seit: 22.10.2006

Ort: Düsseldorf
Beiträge: 1.036
Zitat:
Zitat von langeho Beitrag anzeigen
:






DC Ch Sodak’s Gypsy Prince
wow der ist ja mal toll.
Danke für die Arbeit die du dir machst. Da muss ich ja mal gestehen, das ich glaub ich noch nie einen Chessie life gesehen habe.

Das muss ich wohl mal ändern.
__________________

Mudflaps Alea, *18.07.06, DRC
Düsselgold ist offline  
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